Chance Design im Handwerk (2001 / 2002)
Design ist im Handwerk kein Fremdwort. Die Begriffe Kreativität, Gestaltung, Formgebung - Design sind wesentliche Kernelemente einer bedeutenden Zahl der ausgeübten Handwerksberufe, deren Produkte und Dienstleistungen ohne diese Faktoren nicht denkbar sind.
Ein Rückblick in die Kulturgeschichte zeigt uns eine endlose Reihe handwerklicher Produkte, die aufgrund ihrer beeindruckenden Gestaltung Einlass in die bedeutenden Museen der Welt und Eindruck in der Fachliteratur gefunden haben. Gestattet sei der Verweis, dass diese gestaltenden Handwerke die Keimzelle des Handwerks generell waren. Und gestattet sei jetzt auch der Hinweis, dass aus der Blüte des Handwerks des 19. Jahrhunderts der Samen und die Pollen stammen, die letztlich zur Industrialisierung und zu unserer heutigen industriellen Serienfertigung geführt haben.
Design im Handwerk heute: das heißt zum einen Produktdesign, das heißt aber auch Service-Design, - und es heißt auch Corporate Design, und hier letztendlich sind dann auch alle Berufe des Handwerks angesprochen und betroffen. Sorgfältige Gestaltung nach funktionalen und ästhetischen Kriterien ist angesagt, Zusammenarbeit mit Designern wünschenswert. Die Ausstellung "Chance Design im Handwerk" will hier anstoßen und zur Beschäftigung mit dem Thema anregen.
Die Problematik und die Bedeutung des Faktors Design ist im Handwerk prinzipiell erkannt. Aber natürlich gibt es, wie immer, noch jede Menge zu verbessern, zu fördern, vorwärts zu bringen. Doch was sich in den zurückliegenden Jahren getan hat und was sich so zur Zeit auf diesem spannenden Gebiet bewegt, kann sich sehen lassen.
Es gibt zahlreiche Wettbewerbe, in denen gestaltete Produkte von Handwerkern im Wettbewerb mit Produkten des Industriedesigns stehen, - und im Zieleinlauf dann gut abschneiden. Es gibt zahlreiche designorientierte Handwerksmeister, deren Entwürfe von der Industrie übernommen und produziert werden. Das Schwergewicht der Designleistungen im Handwerk ist aber natürlich ganz eindeutig auf die eigene handwerkliche Produktion gerichtet.
Die weit verbreitete Ansicht, Handwerker würden in der Regel nur reparieren oder Einzelanfertigungen machen, trifft nicht zu. Die gestaltenden Handwerksberufe bieten individuelle Gestaltungslösungen, die beeindruckend und faszinierend sind, - doch auch die Serienproduktion gehört in den Produktionsbereich des Handwerks. Oft handelt es sich dabei um Serien mit kleineren Stückzahlen, da die Kapazität eines kleineren Handwerksbetriebes nichts anderes zulässt.
Designorientierte handwerkliche Produktion lässt zudem auch eine unkomplizierte Individualisierung des Serienproduktes zu. Je nach Wunsch, Bedürfnis und finanzieller Möglichkeit des Kunden kann der Handwerker sein Serienprodukt der jeweiligen Situation anpassen. Der Kunde erhält so ein individuelles und einzigartiges Produkt - mehr kann er sich doch nicht wünschen!
Die diesjährige Auftaktveranstaltung auf der I.H.M. 2001 "Chance Design im Handwerk" der "design-initiative der deutschen wirtschaft" wird die Bedeutung des Faktors Design im Handwerk eindrucksvoll belegen. 17 Handwerksbetriebe der verschiedensten Gewerke, von einer Jury bundesweit ausgewählt, präsentieren in dieser Ausstellung ihre designorientierten Produkte und Dienstleistungen - abgerundet und eingebunden in beispielhafte Lösungen auch des Corporate Design dieser Betriebe. Vom Bäcker über den Bootsbauer, die Weberin, den Buchbinder bis hin zum Edelsteingestalter spannt sich der Bogen dieser exemplarischen Auswahl. Die Federführung der Ausstellung liegt bei dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin und beim Design Zentrum München.
Lust auf Design haben inzwischen sowohl die Konsumenten als auch viele Handwerker. Die "design-initiative der deutschen wirtschaft" will diese Lust fördern und unterstützen, - und tritt nun bereits zum dritten Mal mit einer wichtigen Manifestation für das Design vor die Öffentlichkeit: Nach der Internationalen Messe "Tendence" in Frankfurt am Main 1997 und der Industriemesse Hannover 1999 erfolgt nun 2001 ein weiterer Impuls zur Auseinandersetzung mit dem Design auf der Handwerksmesse München.
Nach diesem Auftakt wird die Ausstellung "Chance Design im Handwerk" durch die Bundesländer wandern und an jedem der zahlreichen Veranstaltungsorte durch regionale Komponenten erweitert werden.
Die Präsentation ist mehr als eine Ausstellung. Sie ist auch eine "Aufforderung zum Tanz": diejenigen Handwerksbetriebe, die das Thema Design mit all seinen Facetten noch nicht realisiert haben, sollen einen Denkanstoss erfahren und sich mit dem spannenden Thema auseinandersetzen. Wichtiges Anliegen ist, auf die Kontaktmöglichkeiten zu Designern, zu den Akademien für Gestaltung des Handwerks, zu den Beratungsstellen für Formgebung und zu den Design Zentren der Bundesländer hinzuweisen.
Handwerkskammern, die noch keine Beratungsstelle für Formgebung haben und denen das wichtige Gebiet der Gestaltung vielleicht noch ein wenig fremd ist, werden, so hoffen die Veranstalter, durch die Ausstellung für diesen Themenbereich sensibilisiert und angeregt. In vielen Großbetrieben der Industrie und der Dienstleistung hat sich Design als unverzichtbarer Teil der Unternehmenstrategie längst erfolgreich etabliert. Der Markt fordert diese Ausrichtung konsequent auch bei den kleinen und mittleren Betrieben des Handwerks.
Auftaktveranstaltung und Wanderausstellung zeigen, wie es gemacht wird.
Überraschende Gestaltungslösungen, die auf einem sensiblen Gespür für das Material und dem meisterlichen Umgang mit den Werkstoffen basieren, erwarten die Öffentlichkeit.
Bernd Röter
(aus dem Katalog der Wanderausstellung Chance Design im Handwerk / 2001)
Auftaktausstellung: IHM München 2001,
Stationen in Rheinland-Pfalz:
Messe am Rhein Handwerksmesse Koblenz
forum handwerk der HWK Rheinhessen